Schrank

Objektdaten


Archiv Nr.:
SKSA1715
Objekt:
Schrank
Entstehungszeit:
1715
laut Signatur
Zuordnung (regional):
vermutlich Sachsen, Leipzig (?)
Zuordnung (Hersteller):
Ludwig Martin, Rudolf Steiß
Materialien:
Konstruktionsholz
Nadelholz
Furnier
Ahorn, Buchsbaum, Mooreiche, Nussbaum, -maser, Palisander
Schlösser
Eisen
Buntpapier
Maße:
2230 mm (H) x 2400 mm (B) x 795 mm (T) 

Restaurierungsmaßnahmen

 

Anmerkungen

Der zweitürige hochwertig verarbeitete Kleiderschrank bestehend aus Rückwand, Sockel- und Gesimsgeschoß, Seitenteilen und Türen hat ein weit überkragendes Gesims, das seine Entsprechung in dem etwas einfacher gestalteten Sockel findet, der auf gedrechselten Füßen ruht. Entsprechend zu Sockel und Gesims zeigen die Frontlisenen seitlich und mittig, sowie die erhaben ausgeführten Bastionsfüllungen von Türen und Seiten ausgeprägte Kehl- und Wulstprofilierungen. Diese sind im rechten Winkel zum Längsverlauf querfurniert und mit umlaufenden feinen Profilleisten zusätzlich akzentuiert. Ebenfalls quer und zusätzlich im 45°- Winkel furniert sind die zwischen Füllungen und Seitenrändern liegenden Flächen, die die Verkröpfungsgehrungen der Profile wiederholen. In die mit Maserholz furnierten Mittelflächen der Bastionsfüllungen sind hell-dunkel kontrastierende Faltsterne marketiert . Das Schrankinnere ist ursprünglich dekorativ mit einem Buntpapier (Kamm-Marmorornament) beklebt gewesen, von dem Fragmente erhalten sind. Der Schrank zeigt mit den o.g. Profilformen ein für den sog. Frankfurter Wellenschrank charakteristisches Dekormerkmal. Diese ab den 20-iger Jahren des 18. Jahrhunderts vollflächig in reiner Form auftretende Aneinanderreihung von Kehle und Wulst hat ihren Ursprung in einer rein schreinermäßigen Technik, die sich nicht wie üblich aus geschnitzten Architektur- und Ornamentelementen herleitet. Die Ausführung der Tür- und Seitenflächen an dem restaurierten Objekt ist allerdings eher typisch für andere Regionen des deutschen Sprachraumes, insbesondere auch für Sachsen und Thüringen, wo sowohl Pilasterschränke mit Bastionsfüllungen als auch Wellenschränke gefertigt wurden. Archivarisch belegbar ist im Übrigen, dass insbesondere viele Sachsen und Thüringer in Frankfurt zum Meisterstück zugelassen wurden. Diese haben sicherlich ihr Wissen um die Herstellungstechnik und die Designidee des Wellenschrankes mit in ihre Heimat genommen. In der Handelsmetropole Leipzig wurden solche Möbel nachweislich hergestellt3. Plausibel und wahrscheinlich ist nun, dass auch Mischformen entstanden, zu denen der untersuchte Schrank m.A. nach zu zählen ist4.
3 Gisela Haase – Dresdner Möbel des 18.Jahrhunderts, Leipzig 1986, S.38
4 Heidrun Zinnkann-Frankfurter Wellenschränke, Weltkunst 4/1999, S. 696 ff.