Zylinderbureau

Objektdaten


Archiv Nr.:
ZYLB1789
Objekt:
Zylinderbureau
Entstehungszeit:
1789
Zuordnung (regional):
Paris
Zuordnung (Hersteller):
Johann Gottlieb Frost (1751 - 1814, Meister 1785)
gestempelt J•G•Frost (Der aus Berlin stammende Kunstschreiner Johann Gottlieb Frost, der nach der anfänglichen Leitung der Pariser Niederlassung David Roentgens als selbständiger Ebenist auch eigene Möbel herstellte, deren Beschläge er von Bronzegießern wie Ravrio und Becard bezog und von Jubert, Martin und Remond vergolden ließ, verkaufte seine Möbel einem hochgestellten Kundenkreis, der sich jetzt um den württembergischen Herzog Carl Eugen erweitern ließ. Eine Charakterisierung seines Werks ist schwierig, da bisher nur wenige, von Frost gestempelte Stücke bekannt sind.)1
1 Bettina Franz, Anja Klün, Klaus Merten - Die französischen Möbel des 18. Jahrhunderts in Schloss Ludwigsburg, Hrsg. Staatl.Schlösser u.Gärten Bad.Württemberg, 1998, S.129 Franz, Klün, Merten, 1998, S.120 
Materialien:
Konstruktionsholz
Eiche, Mahagoni
Furnier
Mahagoni
Zierbeschläge
Bronze, Messing - feuervergoldet
Funktionsbeschläge
Eisen
Schlösser
Eisen
Plattenbezug
Leder
Maße:
1230 mm (H) x 1430 mm (B) x 745 mm (T) 

Restaurierungsmaßnahmen

 

Anmerkungen

Acht niedrige kreiseiförmige Füße tragen den mächtigen Schreibtisch mit zwei fast bis zum Boden reichenden Seitenkästen und dem durch einen Viertelkreiszylinder verschließbaren Aufsatz, welcher seinerseits mit einem flachen Aufsatz nach oben abschließt. Vier, mit der Zarge und dem gestuften oberen Gesims verkröpfte, kannelierte Pilaster gliedern die Sitzseite des Schreibtisches, der über den Seitenkästen zwei Flachschubladen aufnimmt, welche ein breiteres Schubfach in der Mitte des Zargenkastens flankieren. Die durch Türen verschließbaren Kästen enthalten jeweils drei Schubladen. Auch die Seiten und die Rückwand des Schreibtisches sind durch kannelierte Pilaster begrenzt. Die Innenaufteilung des Zylinderaufsatzes offenbart sich bei Zurückschieben des Rolldeckels, der ursprünglich mit der Schreibplatte mechanisch so verbunden war, daß diese sich gleichzeitig aus der Tischplatte vorschob. Entsprechend der Dreiteilung des Unterbaus erscheinen hier drei Ebenen mit flachen Schubfächern und zehn offenen Ablagefächern darüber, wobei die untere, rückwärtig mit der Schreibplatte verbundene Ebene drei Schubfächer vortäuscht. Der obere Aufsatz nimmt drei Schubladen auf, von denen die breitere mittlere risalitartig vorspringt. Die Oberfläche des Schreibtisches gliedern eingetiefte rechteckige Felder, an den Wangen des Zylinderaufsatzes passen sich diese Felder dem gerundeten Kontur an. Rückwärtig ist der Aufsatz entsprechend der Unterteilung des oberen Aufsatzes mit Schubladen in drei flache sowie in drei höhere Rechteckfelder gegliedert. Das Zylinderbureau ist allseitig mit Mahagoni furniert, wobei insbesondere die Sitzseite eine ausgesucht schöne wellenförmige, am Zylinder teilweise auch gefleckte Zeichnung aufweist. Schlichte Beschläge heben den Aufbau und die architektonische Gliederung dieses Möbels hervor. Profilierte Leisten mit einem kleinen Perlstab rahmen, mit Ausnahme der Rückseite, jedes der eingetieften Felder. Ein schmales, profiliertes Band ist um die vorspringende Zarge der Seitenkästen verkröpft, das ebenso auch den Aufsatz auf dem Zylinder einfaßt. Die Tischplatte umschließt ein rundes Messingprofil. Messingkehlen betonen die Kanneluren der Pilaster, die Vorderkanten der Zylinderwangen sind mit Rillenblechen belegt. Die Füße stecken in niedrigen zylinderförnnigen Fußschuhen und enden in einem oben eingezogenen Torus. Ein mit Dreipässen und kleinen Rauten durchbrochenes Gitter schließt das Zylinderbureau nach oben ab. Die überwiegend in Eiche ausgeführte Konstruktion kombiniert Stollen-, Brett- und Rahmenbauweise. Konstruktiv setzt sich das Bureau aus dem Unterbau, der Schreibplatte und dem Aufsatz zusammen. Die Bauteile sind einzeln gefertigt und lösbar miteinander verzapft.2
2 Franz, Klün,Merten, 1998, S.120