Jardiniere

Objektdaten


Archiv Nr.:
02E
Objekt:
Entstehungszeit:
1809 - 1811
Zuordnung (regional):
Paris
(das Möbel war Bestandteil der Lieferungen für König Jerome von Westfalen)
Zuordnung (Hersteller):
zugeschrieben Bernard Molitor, 1809 - 1812
Standort:
Schloss Wilhelmshöhe, Kassel, Weißensteinflügel
Materialien:
Konstruktionsholz
Eiche, Mahagoni
Furnier
Pyramidenmahagoni, Ebenholz
Füße, Faunskulpturen
dunkelgrüne Fassung (ohne Analyse)
Gravurfüllung
helles Material (ohne Analyse)
Fassung d. Wanne
vermutlich grüne Farbe (ohne Analyse)
Beschläge
Bronze, feuervergoldet
Laufrollen
Messing, Eisen
Wanne
Blei
Maße:
810 mm (H) x 600 mm (B) 

Restaurierungsmaßnahmen

 

Anmerkungen

zur Person Bernard Molitors
Der als Müllerssohn in Betzdorf in Luxemburg geborene Bernard Molitor steht in Paris neben anderen Namen deutschsprachiger Herkunft, die im strengen vorrevolutionären Zunftwesen Frankreichs einen bedeutenden Beitrag zur Hochblüte des höfischen Kunsthandwerks leisteten. Auf Reisen nach London hatte er sich während der frühen achtziger Jahre mit der Formensprache und der Technik der englischen Kunsttischler vertraut machen können. Molitor, der noch 1787 Meister wurde, erlebte kurz vor der Revolution seine ersten Erfolge. Als die Revolution das alte Gesellschaftssystem hinwegfegte, wurden viele der in Paris bestehenden Unternehmen und Ateliers hochqualifizierter Handwerker ihrer Existenzgrundlage beraubt. Im Unterschied zu seinen meist älteren Zunftbrüdern gelang es Molitor aber die Durststrecke der Revolution und des Terrors wirtschaftlich zu überleben, seine Arbeit erfolgreich fortzuführen, und das bis in die Restaurationszeit hinein. Molitors Werk zeichnete sich durch die geschickte Bereitschaft aus, sich verschiedenen Einflüssen und Richtungen zu öffnen, die in der über dreißig Jahre währenden Schaffenszeit des Ebenisten die Möbelformen bestimmten. Sein Werk lässt auch den Wandel vom höfischen Prunkmöbel zum bürgerlichen Wohnmöbel erkennen. Er folgte dabei der klassizistischen Epochendominante und blieb im Grunde den Ansprüchen an Qualität und Perfektion des Ancien Régime treu.
Beschreibung des Möbels
Runder Blumentisch, dessen schlicht furnierter Sockel auf drei ornamental geschnitzten runden Füßen ruht, die in ihrer hohlen Unterseite je eine Laufrolle haben. Mittig in der Sockelplatte sind kreisförmig Lorbeerblätter marketiert, deren Umrisse als Strichgravuren mit hellem Füllmaterial gestaltet sind. Über den Füßen auf den Sockelzargen sind flache Aufdoppelungen mit Bronzeapplikationen. Die Aufdoppelungen sind auf die Sockelplatte weitergeführt und dienen als Basis der drei vollplastisch in Form von Faunen mit je einem doppelzehigen Huf geschnitzten Beine. Auch über den Faunen auf der Blumenwannenzarge sind flache Aufdoppelungen mit Bronzeapplikationen, ebenfalls zusätzlich mittig dazwischen auf der Zarge. Die Faune tragen die Blumenwanne, deren Zarge in umlaufendem Pyramidenholz furniert ist. Die Unterkante der Zarge ist ein umlaufendes Bronzeflachprofil, dessen Positionierung durch Schlagmarken an der Unterkante, die sich am Boden der Wanne wiederfinden, definiert ist. Die Oberkante der Zarge ist ein Hohlkehlprofi mit oben aufgedoppeltem vorstehenden flachen Abschluss. An dessen innerem Rand begrenzt eine durchbrochene Bronzegalerie das Innere der Blumenwanne. Unter dem Boden der Blumenwanne ist mittig ein Ablaufloch für Gießwasser, das in einem kleinen Schubkasten aufgefangen wird. Füße, Faune und Hohlkehlprofil sind "nach antiker Manier" in einem dunklen Grünton gefasst. Die Bronzen sind feuervergoldet. Die Anregung für die Modelle der Faune kommt von Vorbildern antiker Bronzemöbel, wie man sie bei den Ausgrabungen in Italien gefunden hatte.
Ulrich Leben / Bernhard Molitor, Luxemburg 1995, S.48, 216