zur Person Bernard Molitors
Der als Müllerssohn in Betzdorf in Luxemburg geborene Bernard Molitor steht in Paris neben
anderen Namen deutschsprachiger Herkunft, die im strengen vorrevolutionären Zunftwesen
Frankreichs einen bedeutenden Beitrag zur Hochblüte des höfischen Kunsthandwerks leisteten.
Auf Reisen nach London hatte er sich während der frühen achtziger Jahre mit der
Formensprache und der Technik der englischen Kunsttischler vertraut machen können. Molitor,
der noch 1787 Meister wurde, erlebte kurz vor der Revolution seine ersten Erfolge. Als die
Revolution das alte Gesellschaftssystem hinwegfegte, wurden viele der in Paris bestehenden
Unternehmen und Ateliers hochqualifizierter Handwerker ihrer Existenzgrundlage beraubt. Im
Unterschied zu seinen meist älteren Zunftbrüdern gelang es Molitor aber die Durststrecke der
Revolution und des Terrors wirtschaftlich zu überleben, seine Arbeit erfolgreich fortzuführen,
und das bis in die Restaurationszeit hinein. Molitors Werk zeichnete sich durch die geschickte
Bereitschaft aus, sich verschiedenen Einflüssen und Richtungen zu öffnen, die in der über
dreißig Jahre währenden Schaffenszeit des Ebenisten die Möbelformen bestimmten. Sein Werk
lässt auch den Wandel vom höfischen Prunkmöbel zum bürgerlichen Wohnmöbel erkennen. Er
folgte dabei der klassizistischen Epochendominante und blieb im Grunde den Ansprüchen an
Qualität und Perfektion des Ancien Régime treu.
Beschreibung des Möbels
Runder Blumentisch, dessen schlicht furnierter Sockel auf drei ornamental geschnitzten runden
Füßen ruht, die in ihrer hohlen Unterseite je eine Laufrolle haben. Mittig in der Sockelplatte
sind kreisförmig Lorbeerblätter marketiert, deren Umrisse als Strichgravuren mit hellem
Füllmaterial gestaltet sind. Über den Füßen auf den Sockelzargen sind flache Aufdoppelungen
mit Bronzeapplikationen. Die Aufdoppelungen sind auf die Sockelplatte weitergeführt und
dienen als Basis der drei vollplastisch in Form von Faunen mit je einem doppelzehigen Huf
geschnitzten Beine. Auch über den Faunen auf der Blumenwannenzarge sind flache
Aufdoppelungen mit Bronzeapplikationen, ebenfalls zusätzlich mittig dazwischen auf der
Zarge. Die Faune tragen die Blumenwanne, deren Zarge in umlaufendem Pyramidenholz
furniert ist. Die Unterkante der Zarge ist ein umlaufendes Bronzeflachprofil, dessen
Positionierung durch Schlagmarken an der Unterkante, die sich am Boden der Wanne
wiederfinden, definiert ist. Die Oberkante der Zarge ist ein Hohlkehlprofi mit oben
aufgedoppeltem vorstehenden flachen Abschluss. An dessen innerem Rand begrenzt eine
durchbrochene Bronzegalerie das Innere der Blumenwanne. Unter dem Boden der
Blumenwanne ist mittig ein Ablaufloch für Gießwasser, das in einem kleinen Schubkasten
aufgefangen wird. Füße, Faune und Hohlkehlprofil sind "nach antiker Manier" in einem dunklen
Grünton gefasst. Die Bronzen sind feuervergoldet. Die Anregung für die Modelle der Faune
kommt von Vorbildern antiker Bronzemöbel, wie man sie bei den Ausgrabungen in Italien
gefunden hatte.
Ulrich Leben / Bernhard Molitor, Luxemburg 1995, S.48, 216