Konsoltisch

Objektdaten


Archiv Nr.:
05E
Objekt:
Konsoltisch
Entstehungszeit:
ca. 1805
Zuordnung (regional):
Paris
Zuordnung (Hersteller):
Bernhard Molitor
(gestempelt B. Molitor)
Standort:
Schloss Wilhelmshöhe, Kassel
Materialien:
Konstruktionsholz
Eiche
Furnier
Löwenmonopoden
geschnitztes und vergoldetes Holz
Zierbeschläge
feuervergoldete Bronzen
Marmor, Spiegelglas
Maße:
850 mm (H) x 1405 mm (B) x 550 mm (T) 

Restaurierungsmaßnahmen

 

Anmerkungen

Beschreibung:
Die wuchtigen Löwenmonopodien sind von antikem Marmormobiliar beinflußt, wie es aus Rom und von den Ausgrabungen in Herkulaneum und Pompeji bekannt war. Wenn sie es auch in den seltensten Fällen im Original gesehen haben dürfen, so waren den Pariser Kunsthandwerkern Stichwerke mit den Darstellungen der antiken Vorbilder in Paris zugänglich. Die Monumentalität in der Form der Löwen läßt eine Entstehung um 1805 vermuten.
zu Bernhard Molitor
Der als Müllerssohn in Betzdorf in Luxemburg geborene Bernard Molitor steht in Paris neben anderen Namen deutschsprachiger Herkunft, die im strengen vorrevolutionären Zunftwesen Frankreichs einen bedeutenden Beitrag zur Hochblüte des höfischen Kunsthandwerks leisteten. Auf Reisen nach London hatte er sich während der frühen achtziger Jahre mit der Formensprache und der Technik der englischen Kunsttischler vertraut machen können. Molitor, der noch 1787 Meister wurde, erlebte kurz vor der Revolution seine ersten Erfolge. Als die Revolution das alte Gesellschaftssystem hinwegfegte, wurden viele der in Paris bestehenden Unternehmen und Ateliers hochqualifizierter Handwerker ihrer Existenzgrundlage beraubt. Im Unterschied zu seinen meist älteren Zunftbrüdern gelang es Molitor aber die Durststrecke der Revolution und des Terrors wirtschaftlich zu überleben, seine Arbeit erfolgreich fortzuführen, und das bis in die Restaurationszeit hinein. Molitors Werk zeichnete sich durch die geschickte Bereitschaft aus, sich verschiedenen Einflüssen und Richtungen zu öffnen, die in der über dreißig Jahre währenden Schaffenszeit des Ebenisten die Möbelformen bestimmten. Sein Werk lässt auch den Wandel vom höfischen Prunkmöbel zum bürgerlichen Wohnmöbel erkennen. Er folgte dabei der klassizistischen Epochendominante und blieb im Grunde den Ansprüchen an Qualität und Perfektion des Ancien Régime treu.
Ulrich Leben / Bernhard Molitor, Luxemburg 1995, S.48, 216