Unter den zahlreichen Zweckmöbeln des Schlosses Schwetzingen gibt es eine Reihe einfacher
Stücke. Sie befanden sich nicht nur in den sogenannten Degagements (Dienstbotenräumen),
sondern auch in Fremdenzimmern oder untergeordneten Herrschaftsräumen und waren
deshalb in Form und Dekor den Repräsentationsmöbeln angepasst. Eine jener aus
minderwertigem Holz gefertigten Arbeiten ist die rot lasierte und um 1780 entstandene
Kommode des Schlosses Schwetzingen. Man kann sie dem Hofschreiner Graff zuweisen, der
gegenüber Zeller die einfacheren Arbeiten auszuführen hatte.
Der strenge, kantige Korpus, im Zopfstil gestaltet, birgt drei Schubladen mit feinen
Profilleisten. Die Stollen sind mit Milleraie-Streifen, Pinienzapfen und Rosetten geschmückt.
Vier konische kannelierte Füsse tragen das Möbel. Zopfbeschläge aus vergoldetem
Messingblech verzieren die Schubladenfronten. Eine profilierte Holzplatte bedeckt das Stück.
Eine Besonderheit stellt die rote Lacklasur dar, die schon dem Inventarisator von 1814 ins
Auge stach. Dass hier ein minderwertiges Holz wie Tanne derart aufgebessert wurde - man
wollte wohl ein Mahagonimöbel vortäuschen - ist kein Einzelfall. Schloss Schwetzingen war
schon immer mit wertvollere Hölzer vortäuschenden Möbeln (gelb-beige Fassung)
ausgestattet. Es blieb in seiner gesamten Geschichte eine Art Provisorium, in welchem eine
komplette Prunkausstattung wie in Mannheim nicht zustande kam. Gerade der schlichte
Wohncharakter verlieh dem Bauwerk seinen Reiz, der den mit Kunst überhäuften Fürsten
deshalb besonders anzog.
Rosemarie-Stratmann-Döhler, Wolfgang Wiese - Möbel für den Fürstenhof, Sigmaringen 1994,
S.106
Carl Ludwig Fuchs - Die Innenausstattung und Möblierung des Schwetzinger Lustschlosses im
18.u.19.Jahrhundert, Heidelberg Diss. 1975, S. 127-128