Kommode

Objektdaten


Archiv Nr.:
07E
Objekt:
Kommode
Entstehungszeit:
um 1780
Zuordnung (regional):
Schwetzingen
Zuordnung (Hersteller):
zugewiesen Johannes Graff, um 1780
Standort:
Schloss Schwetzingen
Materialien:
Konstruktionsholz
Tanne, rot lasiert und lackiert
Zierbeschläge
Messing, feuervergoldet
Maße:
870 mm (H) x 1230 mm (B) x 625 mm (T) 

Restaurierungsmaßnahmen

 

Anmerkungen

Unter den zahlreichen Zweckmöbeln des Schlosses Schwetzingen gibt es eine Reihe einfacher Stücke. Sie befanden sich nicht nur in den sogenannten Degagements (Dienstbotenräumen), sondern auch in Fremdenzimmern oder untergeordneten Herrschaftsräumen und waren deshalb in Form und Dekor den Repräsentationsmöbeln angepasst. Eine jener aus minderwertigem Holz gefertigten Arbeiten ist die rot lasierte und um 1780 entstandene Kommode des Schlosses Schwetzingen. Man kann sie dem Hofschreiner Graff zuweisen, der gegenüber Zeller die einfacheren Arbeiten auszuführen hatte.
Der strenge, kantige Korpus, im Zopfstil gestaltet, birgt drei Schubladen mit feinen Profilleisten. Die Stollen sind mit Milleraie-Streifen, Pinienzapfen und Rosetten geschmückt. Vier konische kannelierte Füsse tragen das Möbel. Zopfbeschläge aus vergoldetem Messingblech verzieren die Schubladenfronten. Eine profilierte Holzplatte bedeckt das Stück. Eine Besonderheit stellt die rote Lacklasur dar, die schon dem Inventarisator von 1814 ins Auge stach. Dass hier ein minderwertiges Holz wie Tanne derart aufgebessert wurde - man wollte wohl ein Mahagonimöbel vortäuschen - ist kein Einzelfall. Schloss Schwetzingen war schon immer mit wertvollere Hölzer vortäuschenden Möbeln (gelb-beige Fassung) ausgestattet. Es blieb in seiner gesamten Geschichte eine Art Provisorium, in welchem eine komplette Prunkausstattung wie in Mannheim nicht zustande kam. Gerade der schlichte Wohncharakter verlieh dem Bauwerk seinen Reiz, der den mit Kunst überhäuften Fürsten deshalb besonders anzog.
Rosemarie-Stratmann-Döhler, Wolfgang Wiese - Möbel für den Fürstenhof, Sigmaringen 1994, S.106
Carl Ludwig Fuchs - Die Innenausstattung und Möblierung des Schwetzinger Lustschlosses im 18.u.19.Jahrhundert, Heidelberg Diss. 1975, S. 127-128