Im 19. Jahrhundert lässt der (Schwetzinger) Hof seine Möbelausstattung vermehrt auch von
selbständigen Werkstätten herstellen. Einigen Mannheimer Kunsthandwerkern gelang es, in
nachnapoleonischer Zeit lukrative Geschäftsbetriebe aufzubauen, welche die badischen
Schlösser mit Möbeln belieferten. Peter Schmuckert gehörte zum Beispiel zu jenen
Unternehmern, die eine erfolgreiche Verkaufsstrategie entwickelten und zu Reichtum
gelangten. Er arbeitete sich vom unbekannten Vergolder zum Fabrikanten empor und
unterhielt eine eigene Möbelmanufaktur. Um 1815/20 entstanden in Schmuckerts Werkstatt
Möbel im Spätempirestil. Ein halbrunder, schwarz lackierter Konsoltisch hat sich im
Generalinventar der Staatlichen Schlösser Badens erhalten. Er ist aus einer hohen Sockelplatte
auf geschnitzten Löwentatzen, Säulen mit Spitzbögen und einer glatten Zarge gebildet. Tatzen,
Säulenbasen und -kapitelle wie auch die Appliken auf den Zwickeln und der Zarge sind
vergoldet. Die Rückwand belegte Schmuckert mit Spiegelglas. Das Möbel wirkt durch seine
gedrungenen Teile schwer und massiv. Vor allem die geschnitzten und aus Gipsmasse
geformten Elemente, die der Feinheit von Metallbeschlägen nicht gleichkommen können,
steigern jenes Erscheinungsbild. Neuere Restaurierungen ergaben, daß das Möbel ursprünglich
keine schwarze Lackierung besaß, sondern mahagoniholzsichtig war. Um 1820 werden schwarz
gefärbte Möbel an den deutschen Fürstenhöfen (z.B. Ludwigsburg) beliebt, und auch der
badische Großherzog schloss sich dieser Mode an. Auf der Rückseite des Tisches befindet sich
das Firmenetikett Schmuckerts.
Rosemarie-Stratmann-Döhler, Wolfgang Wiese - Möbel für den Fürstenhof, Sigmaringen 1994,
S.144