Gehäuse:
Verjüngter, rechteckig hoher Pendelkasten auf hohem Fußprofil mit einem großen Türflügel
mit ovalem Pendelfenster. Aufgesetzter, vorgezogener Werkkasten mit verglasten Seiten und
großem Zifferblattfenster, der seitlich von gewundenen Halbsäulen flankiert ist. Vorkragendes
Gesims als Abschluss. Das Gehäuse überzieht eine feine Marketerie1 aus
stilisierten Pflanzenmotiven, ausgeführt in heimischen und exotischen Holzarten. Das barocke
Akanthusrankenwerk und die verschiedenen Blumen werden im Detail zusätzlich durch
kontrastierende Holzarten, Sägegravuren und Brandschattierungen dekorativ gestaltet.
Zifferblatt mit mattierter Mitte, zwei Aufzügen, dezentralisierter Sekunde und Datumsfenster
über der Ziffer VI. In den Zwickeln vergoldete Ornamentauflagen. Am unteren Rand des
ursprünglich versilberten Ziffernblattrings die Bezeichnung: »Samuel Marchant London«.
Uhrwerk:
Es handelt sich um ein sog. 10 Zoll Zifferblatt („10 inch dial") und somit kann die Uhr ab 1685
datiert werden. Das Rechenschlagwerk wurde allerdings 1676 von Barlow erfunden aber erst
nach 1700 im allgemeinen Gebrauch. Diese Uhr stellt somit eins der frühesten Beispiele des
Rechenschlagwerks dar. Die Ausführung mit Rechen zwischen den Platinen wie in diesem Fall
(statt auf der Vorderplatine) dokumentiert ebenfalls eine sehr frühe Entwicklung.
Gewichtsangetriebenes Uhrwerk, Messingplatinen mit 5 Pfeilern ursprünglich „latched“ (frühes
Merkmal, d.h. die Pfeiler wurden mit Riegelchen auf der Vorderplatine befestigt statt mit
Stiften), 8 Tage Gangdauer, rückführende Ankerhemmung nach Clement mit Sekundenpendel,
Stundenschlagwerk mit Rechen zwischen den Platinen (frühes Merkmal), ursprüngliche
Viertelstundenrepetition restlos ausgebaut, Anzeige von Sekunden, Minuten, Stunden und
Datum (im Fenster oberhalb der VI); Messingzifferblatt mit aufgesetztem Ziffernring,
Sekundenring (ursprünglich versilbert), Bronzeappliken, Zentrum mattiert.
Hersteller:
Samuel Marchant von 1689 - 1704 in der Clockmakers Company eingetragenes Mitglied. Von
ihm ist bekannt, daß er "Longcase-Clocks" fertigte. Ab 1704 war er nicht mehr als Meister
tätig, sondern wird von da an in der Clockmakers Company als "warden" geführt. Dies
entspricht einer Stellung als Rektor, Führungsmitglied etc.
Stilistisch passen das Gehäuse sowie das Werk in die Zeit zwischen 1685 und 1700. Vermutlich
handelt es sich um den bekannteren und aktiveren Marchant Senior, obwohl anscheinend Vater
wie Sohn zur selben Zeit aufhörten Uhrenherzustellen.
Brian Loomes, The Early Clockmakers of Great Britain, London 1981, S. 374