Bodenstanduhr

Objektdaten


Archiv Nr.:
12E
Objekt:
Bodenstanduhr
Entstehungszeit:
ca. 1685 - 1700
Zuordnung (regional):
London
Zuordnung (Hersteller):
Samuel Marchant
laut Signatur im Ziffernblatt
Materialien:
Konstruktionsholz
Eibe, Eiche
Furnier
Ahorn, Nussbaum, Nussmaser, Palisander, Mahagoni
Zierbeschläge
Messing
Funktionsbeschläge
Messing
Schloß
Eingelassenes Kastenschloss mit einem Riegel, kleiner Drehschlüssel mit Hohldornhalm
Pendelfenster
mundgeblasenes Glas mit zentriertem Abriss
Maße:
2200 mm (H) x 455 mm (B) x 265 mm (T) 

Restaurierungsmaßnahmen

 

Anmerkungen

Gehäuse:
Verjüngter, rechteckig hoher Pendelkasten auf hohem Fußprofil mit einem großen Türflügel mit ovalem Pendelfenster. Aufgesetzter, vorgezogener Werkkasten mit verglasten Seiten und großem Zifferblattfenster, der seitlich von gewundenen Halbsäulen flankiert ist. Vorkragendes Gesims als Abschluss. Das Gehäuse überzieht eine feine Marketerie1 aus stilisierten Pflanzenmotiven, ausgeführt in heimischen und exotischen Holzarten. Das barocke Akanthusrankenwerk und die verschiedenen Blumen werden im Detail zusätzlich durch kontrastierende Holzarten, Sägegravuren und Brandschattierungen dekorativ gestaltet.
Zifferblatt mit mattierter Mitte, zwei Aufzügen, dezentralisierter Sekunde und Datumsfenster über der Ziffer VI. In den Zwickeln vergoldete Ornamentauflagen. Am unteren Rand des ursprünglich versilberten Ziffernblattrings die Bezeichnung: »Samuel Marchant London«.
Uhrwerk:
Es handelt sich um ein sog. 10 Zoll Zifferblatt („10 inch dial") und somit kann die Uhr ab 1685 datiert werden. Das Rechenschlagwerk wurde allerdings 1676 von Barlow erfunden aber erst nach 1700 im allgemeinen Gebrauch. Diese Uhr stellt somit eins der frühesten Beispiele des Rechenschlagwerks dar. Die Ausführung mit Rechen zwischen den Platinen wie in diesem Fall (statt auf der Vorderplatine) dokumentiert ebenfalls eine sehr frühe Entwicklung.
Gewichtsangetriebenes Uhrwerk, Messingplatinen mit 5 Pfeilern ursprünglich „latched“ (frühes Merkmal, d.h. die Pfeiler wurden mit Riegelchen auf der Vorderplatine befestigt statt mit Stiften), 8 Tage Gangdauer, rückführende Ankerhemmung nach Clement mit Sekundenpendel, Stundenschlagwerk mit Rechen zwischen den Platinen (frühes Merkmal), ursprüngliche Viertelstundenrepetition restlos ausgebaut, Anzeige von Sekunden, Minuten, Stunden und Datum (im Fenster oberhalb der VI); Messingzifferblatt mit aufgesetztem Ziffernring, Sekundenring (ursprünglich versilbert), Bronzeappliken, Zentrum mattiert.
Hersteller:
Samuel Marchant von 1689 - 1704 in der Clockmakers Company eingetragenes Mitglied. Von ihm ist bekannt, daß er "Longcase-Clocks" fertigte. Ab 1704 war er nicht mehr als Meister tätig, sondern wird von da an in der Clockmakers Company als "warden" geführt. Dies entspricht einer Stellung als Rektor, Führungsmitglied etc.
Stilistisch passen das Gehäuse sowie das Werk in die Zeit zwischen 1685 und 1700. Vermutlich handelt es sich um den bekannteren und aktiveren Marchant Senior, obwohl anscheinend Vater wie Sohn zur selben Zeit aufhörten Uhrenherzustellen.
Brian Loomes, The Early Clockmakers of Great Britain, London 1981, S. 374