Buntpapierergänzung an historischen Möbeln

Möglichkeiten der Rekonstruktion und Reproduktion

Annähernd gleichzeitig kamen zwei Möbel des achtzehnten Jahrhunderts mit vergleichbarem Schadensbild zur Restaurierung ins Atelier. Das Innere der Objekte war mit originalem Buntpapier ausgekleidet, das größere Fehlstellen aufwies. Es konnte eine Reproduktion der Buntpapiere vorgenommen werden, die für den Restaurator, der leicht erweiterte Grundkenntnisse im Umgang mit digitalen Abbildungsmedien besitzt, im Folgenden nachvollziehbar dargestellt wird.

Erschienen in RESTAURO 1/2007

Buntpapier

Buntpapiere werden nach der Papierherstellung in einem separaten Arbeitsgang auf der Oberfläche ein- oder beidseitig gefärbt, getränkt, bedruckt oder geprägt. Ein allgemeiner Überblick über historische Papierarten, die zur Ausklebung von Möbeln, Musikinstrumenten und Holzobjekten Verwendung fanden, sowie über Untersuchungsmethoden, Schadensbilder und Restaurierungsmöglichkeiten ist an anderer Stelle  (Angela Meincke, Christopher White: Dekorative und funktionale Verwendung von Papier auf Möbeln und Holzobjekten, VDR Beiträge 2/2004, Bonn 2004) dargestellt worden:

»Buntpapiere wurden häufig für Bucheinbände, Spielkartenrückseiten, Ausstattungen kleinerer Kistchen, Kästen und Koffer genutzt. Die Dekoration von Schränken und Kommoden mit Papier beginnt um 1600 und wird mit dem Ende des 17. Jahrhunderts weithin üblich. Rasche Verbreitung fand die Anwendung von Buntpapieren an Möbeln im 18. Jahrhundert, als durch die Vielfalt von neuen Manufakturprozessen Papiere preiswert und schnell produziert werden konnten. Der Höhepunkt fällt mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert zusammen. Das Ausstatten von Interieurs war sehr beliebt, besonders von Schubkästen und Kästchen. Aber auch die Außenseiten kleinerer Objekte wie Kisten und Truhen wurden mit Papier beklebt. Es gibt eine breite Vielfalt von verwendeten Buntpapieren, beginnend von relativ preiswerten Papieren wie Marmorpapier bis zu den kostbaren Brokatpapieren. An wertvolleren Sorten kann man oft Signaturen als eine Art Copyright und Werbung am Rand der Papiere finden, die entweder den Namen oder den Ort der Herstellung angeben.«  (Meincke, White 2004, S.96)

Modeldruckpapier

Die Technik des Modeldrucks auf Papier geht auf den Zeugdruck zurück daher auch die Bezeichnung Kattunpapier  (Kattun (arab. = katon), ein leichtes, aber dichtes, leinwandartig gefertigtes Gewebe aus Baumwolle, welches sich speziell zum Bedrucken eignet.) oder Zitzpapier. Ähnliche bzw. gleiche Motive (vor allem Streumuster mit Blumen oder geometrische Muster) finden sich gleichermaßen auf Stoffen wie auf Papieren. In der Zeit von 1750 bis ca. 1800 zählen Modeldruckpapiere zu den am häufigsten verwendeten Buntpapierarten. Die Druckmodel wurden zumeist aus (Hart-)Holz, z.B. Linde geschnitten (Abb.1). Die Ornamente können dabei sowohl im Positiv- wie auch im Negativdruck ausgeformt sein  (http://www.buntpapier.org/23.html).

Abb. 1: Historische Druckmodel (1), SW-Nahaufnahme des Modeldruckpapiers (2) aus dem im Text vorgestellten Schrank von 1790.
Abb. 1: Historische Druckmodel (1), SW-Nahaufnahme des Modeldruckpapiers (2) aus dem im Text vorgestellten Schrank von 1790.

Historische Quellen zum Modeldruck

»Papierdrucker, darunter versteht man nicht die Buchdrucker, Kupferdrucker etc. sondern diejenigen, welche mit in Holz geschnittenen oder metallenen Formen auf Papier drucken. Diese haben ihren Ursprung den im Reiche florirenden Kattunfabriken zu danken, indem sie sich ehemahls der abgesetzten Kattunformen bedienten, und sie aufs Papier gebracht haben, als welches noch auf den alten fabricirten Papieren, wo zu einem Papier die Form mehr als einmahl aufgesetzt wurde, zu sehen ist. Nach der Zeit haben sich Verleger und Fabrikanten gefunden, welche mit Formen, die nach der Größe des Papiers eingerichtet waren, haben drucken lassen; wozu sie hernach mehr als eine Form, je nachdem viele Farben auf den Bogen kommen sollen, gebrauchten. Man findet auch Sorten, vornehmlich in Frankreich, wo die Farben nach dem Drucke eingemahlt sind; und dann wieder andere, wo durch geschnittene Patronen, nach Art der Kartenmacher, die bunten Farben auf den Grund gelegt werden. Und eben hiervon hat man auch in Sachsen Gebrauch gemacht.«  (Oeconomischen Encyclopädie von Johann Georg Krünitz, 1773 - 1858: Band 107 (1807), S. 2, http://www.kruenitz1.uni-trier.de)

Abb. 2: Schrank, Thüringen, ca. 1790-1800, nach der Restaurierung
Abb. 2: Schrank, Thüringen, ca. 1790-1800, nach der Restaurierung

»Das Bedrucken der Buntpapiere geschieht vermittelst Modeln wie beim Kattundruck; das Muster ist in Holz geschnitten, feinere Linien oder sich wiederholende Figuren sind aus gebogenem Messingdraht eingesetzt. Bei mehrfarbigem Druck sind so viele Modeln wie Farben nötig; die Genauigkeit des Rapports wird durch Paßspitzen (auf den Modeln angebrachte Metallstifte, welche auf dem Bogen immer an gleicher Stelle leicht eingedrückt werden) reguliert. Das Pressen der Buntpapiere geschieht durch eine gravierte Messingwalze (Patrize) und eine Bleiplatte oder Papierwalze, auch wohl Matrize und Gegenmatrize auf warmem oder kaltem Weg. Im 17. und 18. Jahrhundert war das Verfahren zur Herstellung der Buntpapiere im Großen und Ganzen dasselbe wie heute; auch damals wurde es vielfach von Frauen betrieben. Nur die Buntpapiere vom Anfang des 17. Jahrhunderts scheinen zum Teil mit einzelnen Metallstempeln (wahrscheinlich Buchbinderstempeln) bedruckt zu sein. Um Stempel zu sparen, sind die Rankenmuster mit derselben sich wiederholenden Platte gedruckt, die eingestreuten Figuren, Tiere, Embleme etc., um möglichste Mannigfaltigkeit zu erzeugen, mit besondern Stempeln.«  (Meyers Konversationslexikon, 1888: S.641-642)

Objekte

Abb. 3: Schreibkommode, Dresden, ca. 1745-55
Abb. 3: Schreibkommode, Dresden, ca. 1745-55

Ein zweitüriger, zerlegbarer Schrank (214,1 cm x 188,4 cm x 74,8 cm) mit zwei Schubladen im Sockel von ca. 1790 bis 1800 (Abb.2), die Thüringer Herkunft ist nachweisbar, weil das Möbel im Familienbesitz überliefert ist. Das in Ahorn, Nadelholz, Esche konstruierte Möbel ist in Ahorn, Birke (grün gefärbt), Birnbaum (ebonisiert  (ebonisiert - wohlfeile Hölzer schwarz gefärbt, um kostbares Ebenholz zu imitieren)), Esche, Pyramidenesche, Mahagoni und Mooreiche furniert und marketiert. Die fehlenden Schlüsselschilder auf Türen und Schubladen lassen sich nach Umrissspuren im Holz des Anbringungsbereiches zweidimensional authentisch rekonstruieren. Vier Rosettenzierbeschläge aus geprägtem Messingblech auf den Gesimsfeldern dienen als Rekonstruktionsvorbilder für vier mit mittigen Zugringen versehene Rosetten auf den Schubladen, die verloren sind. Deren eindeutige, den Rosetten entsprechende Umriss- sowie Befestigungsspuren auf dem Holz der Schubladenvorderstücke ermöglichen das Schnitzen eines Holzmodells und die authentische Reproduktion durch Messingabgüsse. Alle Schlösser sind erhalten, die Schlüssel fehlen. Auch das Innere dieses Schrankes hat eine Papierkaschierung aus originalem Modelpapier.

Eine Schreibkommode (192,5 cm x 72,5 cm x 51,8  (Giesela Haase: Dresdner Möbel des 18.Jahrhunderts, Leipzig 1986, S.303 Kat.Nr.116 - vergleichbare Dresdner Schreibkommode, hier ohne Aufsatz gearbeitet.) zugeordnet (Abb.3). Das in Kiefernholz und Buche konstruierte Objekt ist mit Nussbaumholz furniert, gedrechselte Zugknöpfe sind aus Pflaumenholz. Die originalen Messingbeschläge waren ursprünglich feuervergoldet. Alle Schlösser sind erhalten, die Schlüssel fehlen. Die gegossenen Glasscheiben sind linksseitig im Original erhalten, die mittige Türversprossung ist aus ornamental gegossenem Blei gearbeitet. Im Inneren des Aufsatzes und des Schreibfaches ist eine Papierkaschierung aus originalen Modelpapieren  (Dies bestätigten Wissenschaftler und die Papierrestauratorin Annette Kirsch vom Mannheimer Reiss-Museum, anhand einer Papierprobe und von Detailfotos.).

Befund

Abb. 4: Innenansicht der Einzelteile des Schrankes vor der Restaurierung - das Ausmaß der Buntpapierfehlstellen wird deutlich.
Abb. 4: Innenansicht der Einzelteile des Schrankes vor der Restaurierung - das Ausmaß der Buntpapierfehlstellen wird deutlich.

Der Schrank ist innen mit einer Tapete aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgeklebt. An Fehlstellen dieser Tapete ist die originale Kaschierung mit einem Buntpapier erkennbar. Nach der Abnahme der Tapete werden ca. 80 größere und ca. 120 kleinere Fehlstellen im Buntpapier gezählt, an der linken Tür fehlt das Papier vollständig, am linken Seitenteil annähernd vollständig. Insgesamt besteht eine Fehlfläche von ca. 1,4 m2 (Abb.4).

Im Schreibschrank ist die Papierkaschierung an zahlreichen Stellen vom Holz abgelöst, auch über den korrodierten Eisenscharnieren der Schreibklappe. Es gibt im Inneren des verglasten Aufsatzteils eine Papierfehlstelle (Abb.10) über der ganzen Höhe der Rückwand (ca. 900 x 12mm) und diversen kleinere Fehlstellen. Im Bereich des Schlosses der Schreibplatte ist das Papier dunkel verfärbt, vermutlich durch die Benetzung mit öligen Substanzen mit denen das Schloss gängig gehalten wurde (Abb. 5 + 11). Diese Schäden beeinträchtigen das optische Erscheinungsbild des Möbels erheblich. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird unwiderstehlich zu den Fehlstellen und den starken Verfärbungen gelenkt.

Abb. 5: Schreibkommode, Detailansicht der Schreibplatte innen: Im Bereich des Schlosses ist das Papier vermutlich durch ölige Substanzen dunkel verfärbt (1), Lösemittelkompresse (2), Ergebnis der Reinigung (3), der Schlossbereich nach der Restaurierung, das Schloss ist mit dem 	ergänzten Buntpapier beklebt (4).
Abb. 5: Schreibkommode, Detailansicht der Schreibplatte innen: Im Bereich des Schlosses ist das Papier vermutlich durch ölige Substanzen dunkel verfärbt (1), Lösemittelkompresse (2), Ergebnis der Reinigung (3), der Schlossbereich nach der Restaurierung, das Schloss ist mit dem ergänzten Buntpapier beklebt (4).
Abb. 6: Einscannen eines lichtgeschützten und insgesamt sehr gut erhaltenen Bereiches des Modeldruckpapiers in einer Schublade des Schrankes (Pfeil = Scanner).
Abb. 6: Einscannen eines lichtgeschützten und insgesamt sehr gut erhaltenen Bereiches des Modeldruckpapiers in einer Schublade des Schrankes (Pfeil = Scanner).

 

Konservierung und Restaurierung

Die neuzeitliche Tapete im Schrank wird mit einem synthetischen anorganischen Verdickungsmittel  (Farbmühle Dr. Kremer, Aichstetten: Laponite, detaillierte Materialangaben http://www.kremer-pigmente.de/58935.htm) für wässrige Systeme eingestrichen. Nach präzise ermittelter Einwirkungszeit ist der Kleber der Tapete so weitgehend angequollen, dass eine Substanz schonende Abnahme der Tapete vom originalen Buntpapier möglich ist. Dafür werden Teflonspatel  (GMW Gabi Kleindorfer, Vilsheim: Teflonspatel, http://www.gmw-gabikleindorfer.de) mit runder und spitzer Zunge verwendet, an denen Klebstoffreste und abgenommene Tapete wenig anhaften. Die Festigung der abgelösten Papierausklebungen erfolgt durch Applikation eines unverdünnten Glutinleims  (Farbmühle Dr. Kremer, Aichstetten: Fischleim, detaillierte Materialangaben http://www.kremer-pigmente.de/63550.htm) mit der Injektionsspritze oder feinen Pinseln. Nach kleinen Einschnitten mit dem Skalpell, können Papierblasen weitestgehend ohne visuelle Beeinträchtigung verklebt werden.

Das abgelöste Buntpapier über den Scharnieren der Schreibplatte des Dresdner Möbels wird parallel zu drei Kanten des Scharniers eingeschnitten und aufgeklappt, die Rückseite behutsam gereinigt. Nach der Entrostung und Entfettung der Scharniere erfolgt ein Überzug mit einem seit Jahrzehnten in der Restaurierung für seine sehr geringe Vergilbung und hohe Alterungsstabilität bekannten Kunstharz  (Farbmühle Dr. Kremer, Aichstetten: Paraloid B 72, detaillierte Materialangaben http://www.kremer-pigmente.de/67400.htm). Zur Fixierung des Papiers auf dem Beschlag dient eine doppelseitig klebende Folie, deren thermoplastischer Kleber eine spätere Abnahme gewährleistet  (ASLAN Schwarz GmbH & Co. KG, Overath: permanent doppelseitig klebende Aslan Folie DK3). Für die Retusche kleiner Fehlstellen im Farbauftrag des originalen Papiers finden Gouachefarben Verwendung. Die dunklen Verfärbungen des Buntpapiers der Schreibplatte des Aufsatzmöbels werden mit Lösemittelkompressen  (Farbmühle Dr. Kremer, Aichstetten: Pulver - Magnesiumhydroxidcarbonat, detaillierte Materialangaben http://www.kremer-pigmente.de/64135.htm; Lösemittel - Siedegrenzbenzin 100 - 140°, aromatenfrei (unter 0,1%), detaillierte Materialangaben http://www.kremer-pigmente.de/benzine.htm) so weit wie möglich reduziert.

Fehlstellenergänzung

Verschiedene Vorgehensweisen zur Restaurierung der Fehlstellen des Buntpapiers boten sich an:

1. Belassen des Zustandes
2. Retusche der Fehlstellen in einer der Grundfarben des jeweiligen Papiers
3. Reproduktion des Papiers im ursprünglichen Verfahren

Die erste und die zweite Möglichkeit erschienen ungünstig für das sichtbare Innere des verglasten Aufsatzes des Schreibschrankes, weil die holzsichtige oder flächig retuschierte Fehlstelle das Erscheinungsbild dominiert hätte. Das dritte Verfahren scheiterte insbesondere an den voraussichtlichen Kosten, falls entsprechende Hersteller für Holzmodeln und Buntpapier überhaupt gefunden werden konnten. Die wenig befriedigenden Antworten führten zu der Idee, über digitale Fotos oder Scans des originalen Papiers das Ergänzungsmaterial zu rekonstruieren und zu reproduzieren. Erste Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung bestand in der Verfügbarkeit adäquater Materialien.

Druckertinten

Es sollte sich zeigen, dass von einem Hersteller als hoch lichtbeständig bezeichnete Druckertinten  (Epson DURABrite Pigmenttinten) seit kurzer Zeit erhältlich waren. Diese Tinten sind von dem unabhängigen Wilhelm Imaging Research (WIR)  (http://www.wilhelm-research.com) auf ihre Lichtbeständigkeit untersucht worden, unter Anwendung des auch im Atelier benutzten Druckers. Dieses Institut mit Sitz in Grinnell, Iowa, U.S.A., beschäftigt sich seit 35 Jahren mit Fragen der Haltbarkeit von Bildern (Schwarzweiß- Prints, Silberhalogenid-Farbfotografien, digitale Drucke). Das Institut forscht u.a. auch über die Langzeitarchivierung von Fotosammlungen unter Tiefsttemperaturen im Auftrag großer Museen und Bildarchive.

Als Eigenschaften der für die Reproduktion des Buntpapiers benutzten pigmentierten Tinten  (…unter Anwendung eines annähernd gleichartigen Tintenstrahldruckers wie im Test.) werden in dem Test des WIR Wasserbeständigkeit, gute Lichtbeständigkeit und ausgezeichnete Beständigkeit in hoher Luftfeuchtigkeit bei Anwendbarkeit einer großen Auswahl von Druckmedien genannt. Die unter verschiedenen Beleuchtungssituationen durchgeführten Beständigkeitstests  (http://www.wilhelm-research.com/epson/C86.html) gaben bei typischen Innenbeleuchtungssituationen für unter Glas gerahmte Drucke Haltbarkeiten der Tinten an, die zwischen 40 und 105 Jahren liegen, abhängig von unterschiedlichen Papierqualitäten. Für im Album verwahrte Druckerzeugnisse geben die günstigsten Prognosen Dauerhaftigkeiten an, die länger als 300 Jahre zählen. Die Bedingungen für eine langsame Alterung der vorgenommenen Papierergänzungen, relativ geschützt hinter den Glasstüren des Aufsatzschrankes, besser noch im Inneren des Schrankes sind als relativ gut einzuschätzen.

Papier

Das verwendete Papier  (Monochrom, Kassel: Papiertyp Monosafe®-Papier) ist ein ungepuffertes Archivpapier aus 100% reiner Alphazellulose im Format DIN A 4 (210 x 297 mm, 90 g/qm). Das hochreine, säure-, schwefel- und ligninfreie Papier ist in seiner Oberfläche glatt und weich und frei von optischen Aufhellern, Chloriden und Metallen. Es hat den P.A.T.-Test  (Photographic Activity Test (per ISO 14523)) bestanden. Dieser Test wird vom Image Permanence Institute in Rochester, USA durchgeführt, und ist die zur Zeit detaillierteste und strengste Evaluierung für Aufbewahrungssysteme von Fotomaterialien. Im Rahmen von simulierten Langzeittests werden die Auswirkungen möglicher Dichteveränderungen von Archivmaterialien auf die fotographische Emulsion geprüft. Die getesteten Materialien dürfen einen definierten Grenzwert an Dichteveränderungen nicht überschreiten, da sie ansonsten für den Einsatz in der Fotoarchivierung nicht geeignet sind.

Bildquelle aufnehmen / Bildbearbeitung

Die Erstellung der digitalen Bilddaten erfolgt unter Verwendung von Tageslicht ohne direkte Sonneneinstrahlung, sowie von Tageslichtleuchten als digitale Fotografien. Mit dem Scanner werden Buntpapierbereiche direkt von Objektteilen erfasst, soweit es technisch möglich ist (Abb.6). Dabei sollen die Motivbereiche einerseits so gut wie möglich erhalten sein und andererseits deutlich unterschiedliche Farbqualitäten repräsentieren (Abb.7).

Abb. 7: Scan des sehr gut erhaltenen Papierbereiches aus einer Schublade des Schrankes vor(1) und nach (2) der Bildbearbeitung von Fehlstellen. Scan eines ausgeblichenen Papierbereiches mit Fehlstellen von einer Schranktür (3).
Abb. 7: Scan des sehr gut erhaltenen Papierbereiches aus einer Schublade des Schrankes vor(1) und nach (2) der Bildbearbeitung von Fehlstellen. Scan eines ausgeblichenen Papierbereiches mit Fehlstellen von einer Schranktür (3).

Zunächst werden vorher ausgewählte repräsentative Bereiche der Digitalfotos, bzw. -scans mit den verschiedenen Bildbearbeitungswerkzeugen von Photoshop (Auswahlrechteck, Polygon Lasso, Zauberstab etc.) zusammengefügt, Fehlstellen und Überschneidungslinien werden retuschiert (Abb.7). Bei Digitalfotos werden die Größenverhältnisse des Bildes maßstabsgetreu modifiziert.

Abb. 8: Sechs verschiedene Ergänzungspapiere, die den farblichen Anforderungen in unterschiedlichen Fehlstellenbereichen entsprechend bildbearbeitet sind.
Abb. 8: Sechs verschiedene Ergänzungspapiere, die den farblichen Anforderungen in unterschiedlichen Fehlstellenbereichen entsprechend bildbearbeitet sind.

Die Herausforderung für die Reproduktion des Ergänzungspapiers ergibt sich aus dem Zustand der Originalvorlage. Je nach unterschiedlicher Positionierung im Objekt war die Oberfläche beispielsweise lichtgeschützt oder intensiv beleuchtet, unberührt oder durch häufiges direktes Benutzen mechanisch abgearbeitet. Das heißt, für einzelne Fehlstellenbereiche werden farblich deutliche Differenzen festgestellt. Um darauf abgestimmtes Papier herzustellen, werden zunächst vorher ausgewählte repräsentative Bereiche der Digitalfotos, bzw. -scans mit den verschiedenen Bildbearbeitungswerkzeugen von Fotoshop (Auswahlrechteck, Polygon Lasso, Zauberstab, Musterstempel etc.) zusammengefügt, Fehlstellen und Überschneidungslinien werden retuschiert. Bei Digitalfotos werden die Größenverhältnisse des Bildes maßstabsgetreu modifiziert.

Die farbliche Korrektur (Bild/Einstellungen: Autokontrast / Unscharf markieren / Helligkeit / Kontrast / Selektive Farbkorrektur / Farbton / Sättigung etc.) erfolgt am kalibrierten Monitor. Wiederholte Probeausdrucke werden direkt am Objekt mit der Papierfärbung im Bereich der Fehlstellen verglichen. Als Lichtquellen dienen dabei das natürliche Tageslicht unterschiedlicher Sonnenintensität, Halogen-Metalldampf-Lampen und Neonlicht, beide mit Tageslichtqualität. Korrekturen der Farbgebung erfolgen nach dieser Betrachtung, wobei stufenweise vorgegangen wird, bis eine befriedigende Übereinstimmung im Erscheinungsbild erzielt ist (Abb.7). Es werden verschiedenfarbige Ergänzungspapiere gedruckt (Abb.8). Die Grundeinstellungen des Druckers sind: Normalpapier / Optimales Foto / DIN A 4 Hochformat / Glatte Kante / Modus Farbanpassung Gamma 1.8 / Farbmodus Epson Vivid.

Das Ergänzungspapier wird dem Rapport des Originals und den Kanten der Fehlstelle entsprechend eingepasst und mit Glutinleim verklebt.

Abb. 9: Die linke Rückwand des Schrankes vor der Restaurierung (1), Blick in den geöffneten Schrank nach der Restaurierung (2).
Abb. 9: Die linke Rückwand des Schrankes vor der Restaurierung (1), Blick in den geöffneten Schrank nach der Restaurierung (2).

Fazit

Abb. 10: Rückwand des Aufsatzes der Schreibkommode vor (1) und nach (2) der Restaurierung.
Abb. 10: Rückwand des Aufsatzes der Schreibkommode vor (1) und nach (2) der Restaurierung.

Die Fehlstellen können geschlossen werden, die formale und farbliche Qualität der Ergänzungen entspricht dem Restaurierungsziel (Abb. 9 - 11). Der Blick des Betrachters fällt auf ein geschlossenes Erscheinungsbild der Objekte. Die Haltbarkeit der verwendeten Farbmittel und des Papiers sind nach dem heutigen Wissensstand voraussichtlich gut. Langzeiterfahrungen mit diesem Verfahren und den gewählten Materialien konnten verständlicherweise noch nicht gesammelt werden.

Das unterschiedliche Verhalten der modernen Farbmittel des Ergänzungspapiers und der Farben des historischen Buntpapiers bei der Bestrahlung mit verschiedenen Lichtquellen (Abb.12) ist der zeitaufwendigste Aspekt während der Anwendung des Verfahrens. Hier besteht eine deutliche Herausforderung zu weiterführenden Untersuchungen, die im Rahmen der freiberuflichen Tätigkeit nicht lösbar sind.

Abb. 11: Schreibfach der Schreibkommode vor (1) und nach (2) der Restaurierung.
Abb. 11: Schreibfach der Schreibkommode vor (1) und nach (2) der Restaurierung.
Abb. 12: Schreibfach der Schreibkommode nach der Restaurierung unter Beleuchtung mit Neonlampen. Das Farbverhalten der Buntpapierergänzungen differiert deutlich zum Tageslicht.
Abb. 12: Schreibfach der Schreibkommode nach der Restaurierung unter Beleuchtung mit Neonlampen. Das Farbverhalten der Buntpapierergänzungen differiert deutlich zum Tageslicht.
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