Johann Michael Rummer (1747-1821)

Ein Kunsttischler aus Handschuhsheim

Seine Furnierbilder zieren die Möbel der Fürsten und Könige Europas im 18. Jahrhundert.

Erschienen in WELTKUNST 05/2002

“Michael Rummer, gebürtig, und jetzt wohnhaft in Handschuchsheim bey Heidelberg, alt 32 Jahre, hat die Einlegungskunst in Holz zu einer solchen Vollkommenheit gebracht, daß man sie schwerlich höher treiben kann. Durch die treffendeste Nachahmung der Natur und durch die reißende Kraft der Farben weiß er das Auge des Kunstliebhabers auf das Angenehmste zu täuschen; ...” So schrieb Kirchenrat Mieg aus Heidelberg im Jahre 1780 in seinem “6. Beytrag zur vaterländischen Geschichte der Einlegekunst in Holz.”  (Anm.: Meusel, JG. — Miscellaneen artistischen Inhaltes, Erfurt 1780, Hft.4, S. 47ff.)

Biographie

Johann Michael Rummer  (Anm.: Auszug aus dem Kirchenbuch der evangelischen Kirchengemeinde Heidelberg-Handschuhsheim, Taufbuch Bd. 3, S. 34. Nr. 397/1747) wurde am 5. Mai 1747 in Handschuhsheim bei Heidelberg als sechstes von acht Kindern seines dreimal verheirateten Vaters, des Bürgers und Weingärtners Johann Rummer geboren.

Mit der Unterstützung Miegs wurde er von seinen Eltern zu den berühmten deutschen Kunstschreinern Abraham Roentgen (1711—1793) und dessen Sohn David (1743—1807) in Neuwied am Rhein in die Lehre geschickt, wo er zwischen etwa 1761 und 1767 die Einlegekunst erlernte. “Bei dem hier angestellten Graveur Elie Gervais könnte Rummer eine zeichnerische Ausbildung erhalten haben. Mit Roentgen reiste der Schüler nach seiner Ausbildung nach England. In Newcastlehouse bei Kabinettmacher Gern hielt er sich etwa ein Jahr auf, um seine Fertigkeiten anzuwenden und noch zu erweitern. Bald kehrte er wieder nach Neuwied zurück, von wo er auf Wunsch des Fürsten Polinsky nach Warschau wanderte. Hier arbeitete er mit dem Kabinettmacher Niemann zusammen. Von Polen reiste er in seine Heimat nach Handschuhsheim zurück, wo er Einlegearbeiten nach unbekannten Entwürfen ausführte. David Roentgen, der Sohn des Altmeisters, warb ihn erneut für zwei große Aufträge an.

Nach diesen Arbeiten verließ er Neuwied und kehrte für immer in die kurpfälzischen Lande zurück. Zuerst war er in Handschuhsheim tätig, doch nach seiner Heirat mit Wilhelmine Effers 1786 wählte er Schwetzingen als ständigen Wohnsitz. Da die Bildintarsie seit den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts aus der Mode gekommen war, führte Rummer wohl keine großen Aufträge mehr aus. Es ist jedoch erstaunlich, dass wir aus seiner Schwetzinger Zeit keinerlei Arbeiten besitzen, denn immerhin ist er hier noch 40 Jahre nachweisbar. Er wird im Jahre 1796 bei der Nachfolgeregelung der verstorbenen Schwetzinger Hofschreinerwitwe Graff nochmals genannt. Sollte »eine feine und besonders künstliche Arbeit« vorkommen, »solche der bekannte Ebenist Rammer zu fertigen überflüssige Kenntnis besize«. Die neuen Stilrichtungen des Empire und Biedermeier dürften Rummer fremd und unverständlich gewesen sein. Er starb am 2. März 1821 als »ausgedienter« Marketeur in hohem Alter. Seinen Betrieb hatte einer seiner Söhne übernommen, der sogar als Schwetzinger Hofschreiner auf der Karlsruher Kunst- und Industrieausstellung zwei intarsierte Tische ausstellte.”  (Anm.: Wolfgang Wiese — Hofschreiner und Möbellieferanten in den Residenzen Mannheim und Schwetzingen, in: Möbel für den Fürstenhof, 1994, S. 30ff.)

Die Roentgenmanufaktur in Neuwied

In der Manufaktur der Roentgens wurden von 1742 bis 1793 ca. 2000 kunstvolle und vielseitige Möbel vorwiegend für die europäischen Regenten wie z. B. Friedrich den Großen und Friedrich Wilhelm II. von Preußen, Ludwig XVI. von Frankreich oder die russische Zarin Katharina II. und ihre höfischen Gesellschaften hergestellt. David Roentgen brachte es vom Schreinergesellen zum Künstler, wohlhabenden Unternehmer, ja sogar zum Diplomaten. Nur zwei seiner zahlreichen Titel seien hier genannt: 1779 verlieh ihm der französische König den eigens für ihn geschaffenen Titel des “Ebéniste mécanicien du Roi et de la Reine”; 1791 wurde er Königlich Preussischer Geheimer Kommerziernrat. Selbst Goethe erwähnt ihn zweimal in seinem Werk!

Die Zusammenführung qualifiziertester Kunsthandwerker und Künstler seiner Zeit durch David Roentgen ist schließlich das Geheimnis für die exorbitante Ausführung der Möbel im Detail, die alles bisher da gewesene übertrifft. Beispielsweise fertigten Mitglieder der berühmten Uhrmacherfamilie Kinzing (mit 13 Uhrmachern in vier Generationen!) qualitätvollste Uhrwerke mit bezaubernden Flötenspielwerken, die dann entweder Standuhren oder große repräsentative Schreibschränke der Roentgens vervollkommneten. Darüber hinaus wurden in manchen Stücken Mechaniken installiert, die wie von Geisterhand Bewegungen in Möbelpartien verursachen. So gehen Türen und Schubladen auf, eine Schreibplatte mit Tintenzeug springt heraus, und gleichzeitig erhebt sich ein Lesepult.

Das Werk Michael Rummers — Die Furniereinlegetechnik „a la mosaique”

Die Gestaltung des Oberflächenschmuckes von Möbeln erreichte mit der Entwicklung der Furniereinlegetechnik nach dem so genannten Mosaikverfahren einen Höhepunkt dieser Kunst überhaupt. Es gelang dieses Verfahren zu innovieren, bei dem eine außerordentlich detailgetreue Wiedergabe gelang. Vermutlich unter massgeblicher Mitwirkung des Michael Rummer wurde so ein Verfahren geschaffen, das alles übertraf, was die Schreinerkunst bis zu diesem Zeitpunkt hervorgebracht hatte. Der große Barockmaler Januarius Zick fertigte eigens für die Röntgenmöbel Vorlagen.

Abb. 1: Rechteckiger Mehrzweck- oder Verwandlungstisch, David 
Roentgen, Neuwied um 1775—80
(Pfeilmarkierung — marketierte Schäferszene von Michael 
Rummer zwischen aufgeklappten Platten)
Abb. 1: Rechteckiger Mehrzweck- oder Verwandlungstisch, David Roentgen, Neuwied um 1775—80 (Pfeilmarkierung — marketierte Schäferszene von Michael Rummer zwischen aufgeklappten Platten)

“Die eingelegten Furnierteile kennen jetzt die färbende Gravierung, das Sengen der Ränder und die Binnenzeichnung, mit denen die Marketerien  (Anm.: Marketerie, d.i. eine aus einzelnen Furnierteilen zusammengefügte ornamentale und/oder figürliche Darstellung, die auf ein Trägerholz (Sichtseiten von Möbeln) aufgeleimt ist.) der Roentgenwerkstatt bis dato plastisch dargestellt und farblich abgestimmt worden waren, nicht mehr. Stattdessen werden zur Darstellung der Licht- und Schattenpartien, der Wölbungen und Vertiefungen sowie der unterschiedlichen Farben, wie sie in der Patronen- oder Werkzeichnung festgelegt sind, ausschließlich (gefärbte) Furniere in einer anderen Tönung verwendet. Die Maserung des Holzes spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Wie in einem Mosaikbild die einzelnen Steinchen verschiedener Farben aneinandergefügt sind, um eine bestimmte Wirkung hervorzubringen, so geschieht das hier mit den Holzteilchen. Roentgen nennt daher die neue Einlegetechnik »a la mosaique«. Als Farben werden Gelb, Braun, Grün, Schwarz und bisweilen auch Rot verwendet. Bei jeder dieser Hauptfarben gibt es Abwandlungen in drei bis vier festgelegten Stufen, die einen ausreichenden Spielraum für die farbliche Abstimmung der Marketerie gewährleisten. Die Farbtöne gehen stets durch die ganze Furnierdicke hindurch und sind an allen Stellen des Bildes gleich. Daraus geht hervor, dass die Furnierteilchen vor dem Zusammensetzen gefärbt worden sein müssen. Viele Intarsien sind nur in den gelben oder braunen Farbstufen (en camaieu) ausgeführt oder sie wirken heute so, nachdem die anderen, ursprünglich ebenfalls verwendeten Farben, wie vor allem das Grün und Rot verblassten.”  (Anm.: Josef Maria Greber — Abraham und David Roentgen, Starnberg 1980. Bd. 1, S. 131ff.)

Der Zeitgenosse und Förderer Rummers, Kirchenrat Mieg gibt 1780 ebenfalls einen Hinweis auf die Rolle die dieser bei der Entwicklung der neuen Technik gespielt haben könnte:

“In den ersten sechs Jahren hat Rummer fast nur nach dem bloßen Augenmaß ausgeschnitzt und eingelegt, war folglich von jedem ändern Ebenisten  (Anm.: Ebenist, Kunsttischler; aus dem Französischen überkommene Bezeichnung für den Schreiner der furnierte Möbel wie Kabinettschränke, Kommoden und Schreibmöbel herstellte. Ursprünglich als "menuisier en ebene", also Ebenholztischler, bezeichnet, bürgerte sich der Begriff Ebeniste in Frankreich im 18. Jahrhundert ein, nachdem sich die Schreinerzunft entsprechend unterteilt hatte.) durch nichts unterschieden, als durch den schärfern Gebrauch seiner Augen und durch fleißige Uebung in dem Mechanischen der Kunst. Ein Bildhauer zu Neuwied machte eine ganz rohe Zeichnung, und an dieser übte Rummer seine Kunst, trug sie vom Papier aufs Holz über, und drung schon tiefer in das Geheimniß, die Natur getreu nachzubilden. Der gute Erfolg, die hierüber empfundene Freude des Künstlers, und der edle Antheil des Hrn. Röndtchen an jedem Fortschritt in dieser Kunst, ließen es nicht hierbey bewenden; sondern der letztere besorgte gute Zeichnungen von Herrn Zick in Koblenz, voll von Figuren.

"Rummer gieng muthig an ihre Nachbildung, und auch dieser Versuch gelung ihm so gut, daß er fast alles von Papier genau richtig auf das Holz überbrachte: nur mußte den ganz feinen Schattirungen vom Maler nachgeholfen werden. Endlich brachte es Rummer durch anhaltendes Nachdenken so weit, daß er jetzt die ihm vorgelegten Zeichnungen genau und richtig auf das Holz überträgt, daß er die Originalien mit den feinsten und kleinsten Zügen mit der bloßen Einlegungskunst erreicht, und der Nachhülfe im geringsten nicht bedarf.”  (Anm.: Meusel, J.G. a.a.O.) (Hervorhebung durch den Verfasser)

Eine weitere zeitgenössische Beschreibung der »marqueterie a la mosaique« erscheint 1779 in einem Ausstellungsbericht  (Anm.: Pahin de la Blancherie - Nouvelles de la republique des lettres et des arts, 1779, S. 51):

Es heißt dort: »Auf der Platte [des erwähnten Tischchens] ist eine Schäfergruppe dargestellt, in einer Einlegearbeit, deren Herstellungsart ganz verschieden ist von der bis jetzt üblichen. Alle Figuren sind sehr gut gezeichnet, die Färbungen, Schattierungen, Farbzusammenstellungen sind aus kleinen Teilchen eines harten, dichten Holzes gemacht. Diese Arbeit gleicht dem Steinmosaik und ist auf dieselbe Art ausgeführt. Die Schatten sind weder eingebrannt, noch eingraviert, noch mit Wachs oder Kienruß eingerieben, wie man es bisher machen zu müssen glaubte, sondern fest mit kleinen, gehörig gefärbten Holzstückchen eingelegt. Die Genauigkeit der Zeichnung, die Lebendigkeit des Ganzen und die Präzision der Umrisse möchten glauben machen, es wäre eine Malerei.  (Anm.: Greber a.a.O., S. 133)

Beispielhafte Werke Rummers

Verwandlungstisch

Der o.g., schon zu seinen Lebzeiten viel beachtete Tisch mit der Schäfergruppe ist für das Verständnis der ästhetischen Qualität der Einlegearbeiten Michael Rummers ein besonders gutes Beispiel. Als Glücksfall haben sich an diesem Möbel aus der Roentgenmanufaktur die ursprünglichen Farben eines Marketeriebildes, das Rummer zugeschrieben wird  (Anm.: Greber a.a.O., S.142), sehr weitgehend erhalten. Weil dieses zwischen zwei Tischplatten lichtgeschützt war sind die Furnierfarben nicht in die unterschiedlichen Braunschattierungen gealtert, die unseren Sehgewohnheiten für historische Möbel zwar entsprechen, aber nichts mit dem ursprünglichen Erscheinungsbild und der Intention der Marketeriekünstler zu tun haben.  (Anm.: Jonny W. Stadler - Digitale Rekonstruktion ursprünglicher Farbigkeit. Restauro 2, 1996, S.118 ff. und ders. Verblichene Pracht, Weltkunst Nr. 18, 1995, S. 2420ff.)

Die Beschreibung des Tisches

“Maße zusammengeklappt: 81 cm hoch, 90 cm breit, 50 cm tief, neoklassizistische Form, abschraubbare, sich nach unten verjüngende, massive Beine mit Würfelfüssen, Messing- Blütengehängen, Zargen aus Föhre und Eiche, gefärbte Ahorn-Blurnengebinde-Marketerien, Stollen mit Gewindelager, Weißbuche, Bodenplatte aus Nussbaumholz mit vier Blattfedern, Deckplatte einfaches Rautenmosaik aus Buchsbaum, Rosen-Bänder-Ösen-Marketerie in Mosaikeinlegetechnik aus drei unterschiedlich grün gefärbtem Ahorn, Einfassung der Deckplatte Ahorn, erste Verwandlung als Spieltisch, Einlagen: Öse an Bändern, aufgehängtes Medallion mit Hirtenszene in Mosaikeinlegetechnik, Rand: Zitrone, Grund: Buchsbaum, Boden: Birne, Figuren: grün, blau, rot- und braungefärbter Ahorn, Baum: Rüster und Nussbaum, Einrahmung durch Blütengehänge und eingelegte Messingstreifen, Motivvorlage nach Zick, Werkzeichnung wohl Gervais, zweite Verwandlung: Schach-Dame-Spielplatte aus Ahorn, Buchsbaum- und Ebenholzfeldern, dritte Verwandlung:

Abb. 2: Marketierte Schäferszene von Michael Rummer als Medaillon 
zwischen zwei Platten eines Roentgen-Verwandlungstisches; da 
dieses Bild weitgehend lichtgeschützt war ist die Farbigkeit des 
„Holzmosaiks“ aussergewöhnlich gut erhalten.
Abb. 2: Marketierte Schäferszene von Michael Rummer als Medaillon zwischen zwei Platten eines Roentgen-Verwandlungstisches; da dieses Bild weitgehend lichtgeschützt war ist die Farbigkeit des „Holzmosaiks“ aussergewöhnlich gut erhalten.
Abb. 3: Linienzeichnung der Schäferszene, die die Kleinteiligkeit der 
Einlegearbeit dokumentiert.
Abb. 3: Linienzeichnung der Schäferszene, die die Kleinteiligkeit der Einlegearbeit dokumentiert.

 

Schreibtischplatte aus Ahorn, Schreibfläche und aufstellbares Lesepult mit grünem Tuch, rechts und links mit Jalousien aus Ahorn auf Eiche und Weißbuche, verschließbare Kästen für Schreibutensilien, vierte Verwandlung: als Trick-Track-Spiel durch Federmechanismus aufsteigend und aufklappbar, Einlagen Buchsbaum und grün gefärbte Weißbuche, 28 Spielsteine aus Buchsbaumholz, massiv, natur und Weißbuche grün gefärbt, zwei Kerzenhalter aus Elfenbein, Versteigerung Salzburg 1978 aus österreichischem Schlossbesitz, Zuschlagspreis DM 430 000,-, heute: Bayerisches Nationalmuseum München, Inventarnummer 84/239.”  (Anm.: Dietrich Fabian — Roentgenmöbel aus Neuwied, Bad Neustadt 1986, S. 62, Abb. 85, 88)

Signierte Werke

An einem Toilettentisch findet sich mit Bleistift zweimal die Inschrift “Michael Rummer von Handschuhsheim fecit a Neuwied 1772”. Dieses Möbel und drei gleichartige Marketeriebilder, die als Motiv einen ruhenden Jäger in meisterhafter Ausführung zeigen sind die einzigen eindeutig von Rummers Hand signierten Stücke, die wir kennen. Auf dem für Friedrich Wilhelm II. gefertigten aussergewöhnlichen Kabinettschrank, der im Kunstgewerbemuseum der staatlichen Museen in Schloss Köpenick in Berlin steht, findet sich in der Marketerie der Mitteltür des Aufsatzes halb versteckt ein “R”, das vermutlich auf Rummer als Schöpfer des grossartigen Bilderschmucks hinweist.

Bildtafeln

Eines der beeindruckendsten Werke der Roentgenwerkstatt, an dem nachweislich Michael Rummer massgeblich beteiligt gewesen ist, sind 2 grosse marketierte Wandvertäfelungen für Prinz Karl von Lothringen in Brüssel. Diese wurden in der Roentgenwerkstatt nach einem Entwurf des Barockmalers Januarius Zick mit den Motiven »Frieden zwischen den Römern und Sabinern« und »Frieden zwischen den Römern und Karthagern« in nur 15 Monaten angefertigt.”  (Anm.: Hans Michaelsen — Rekonstruktionsversuche und Untersuchungen zur Intarsientechnik der Roentgenmanufaktur in ihrer frühklassizistischen Schaffensperiode, Forschung u. Berichte Bd. 23, Berlin 1983, S.44ff.) Rummer begleitete zusammen mit David Roentgen sogar den Transport der Tafeln nach Brüssel. Er wurde für diese Arbeiten mit höchstem Lob ausgezeichnet.  (Anm.: W. Wiese, Mechanische Wunder — Edles Holz. Karlsruhe 1998, S. 40)

Abb. 4: Marketeriebild um 1780, Maße: 24 cm hoch, 19 cm breit, 
Blindholz 2 cm stark, ruhender Jäger mit Hund vor Baumstumpf 
dargestellt, Entwurf: Januarius Zick, mit verschieden gefärbten 
Hölzern wie Birke, Eiche, Buche, signiert und datiert vom 
Roentgenmitarbeiter und Marketeriekünstler Johann Michael 
Rummer: „1780/MR“, heute: Museum für Kunst- und 
Kulturgeschichte, Oldenburg, Schloß, Inventarnr. 3.682, 
Parallelexemplar II in Hamburg seit 1925 verschollen, Museum 
für Kunst und Gewerbe, Inventarnr. 1.915; auch das Exemplar III 
früher im Besitz des Domherren von Beroldingen, Speyer, ist 
heute verschollen.
Abb. 4: Marketeriebild um 1780, Maße: 24 cm hoch, 19 cm breit, Blindholz 2 cm stark, ruhender Jäger mit Hund vor Baumstumpf dargestellt, Entwurf: Januarius Zick, mit verschieden gefärbten Hölzern wie Birke, Eiche, Buche, signiert und datiert vom Roentgenmitarbeiter und Marketeriekünstler Johann Michael Rummer: „1780/MR“, heute: Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, Oldenburg, Schloß, Inventarnr. 3.682, Parallelexemplar II in Hamburg seit 1925 verschollen, Museum für Kunst und Gewerbe, Inventarnr. 1.915; auch das Exemplar III früher im Besitz des Domherren von Beroldingen, Speyer, ist heute verschollen.
Abb. 5: Großmarketerietafel, 1779, Darstellung “Die Großmut der 
Scipio“, 
Maße: 360 cm hoch, 375 cm breit (!) Nussbaum und 
Ahornfurniere, auch Esche und Platane, signiert von David 
Roentgen und Januarius Zick, früher Wandverkleidung des 
Audienzzimmers des Statthalters der Österreichischen 
Niederlande, Herzog-Karl Alexander von Lothringen und Bar in 
Brüssel, heute Österreichisches Museum für angewandte Kunst, 
Inventarnummer H 267, Mosaikeinlagetechnik.
Abb. 5: Großmarketerietafel, 1779, Darstellung “Die Großmut der Scipio“, Maße: 360 cm hoch, 375 cm breit (!) Nussbaum und Ahornfurniere, auch Esche und Platane, signiert von David Roentgen und Januarius Zick, früher Wandverkleidung des Audienzzimmers des Statthalters der Österreichischen Niederlande, Herzog-Karl Alexander von Lothringen und Bar in Brüssel, heute Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Inventarnummer H 267, Mosaikeinlagetechnik.

 

Der Kreis schliesst sich — ein “Rummermöbel” wurde in Handschuhsheim restauriert.

Abb. 6: Zylinderbüro, Neuwied ca. 1771, Marketerie Michael Rummer, 
Schloss Mannheim
Abb. 6: Zylinderbüro, Neuwied ca. 1771, Marketerie Michael Rummer, Schloss Mannheim

“Zu den kunstgeschichtlich bedeutendsten Möbeln Deutschlands ist wohl das reich dekorierte Zylinderbüro David Roentgens von 1772 aus Schloss Mannheim zu zählen. Bereits zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde seine Qualität erkannt und in der Literatur wiederholt erwähnt. Besonders Georg Himmelheber wies ihm eine Schlüsselposition zu, indem er das Stück zum ersten klassizistischen Möbel in Deutschland erklärte.”  (Anm.: W. Wiese 1998, S. 98ff.) Das Zylinderbureau, das zwischen 1771 bis 1774 für die Badische Markgräfin Karoline Luise gebaut wurde, gelangte als Erwerbung unter Beteiligung der Siemensstiftung für die Staatlichen Schlösser und Gärten aus dem Eigentum des Markgrafen von Baden in Landesbesitz und wird seit 1996 im Zuge der Erweiterung des Trabantensaalmuseums im Mannheimer Schloß ausgestellt. Die kunstvollen Marketerien der Sichtseiten des Möbels werden Michael Rummer zugeschrieben.

Im Jahre 1995 wurde dieses Möbel im Restaurierungsatelier des öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen der JHK Rhein-Neckar für historische Möbel, von Jonny W. Stadler in der Lindengasse 1 in Heidelberg-Handschuhsheim restauriert. Und so wurde eine der kunstvollen Arbeiten des Handschuhsheimer Intarsienschneiders nach über zweihundert Jahren an seinem Geburtsort nach neuen Erkenntnissen moderner kunsttechnologischer Konservierungs- und Restaurierungstechnik konsolidiert. In seinem dieserart wiederhergestellten und stabilisierten Zustand kann das Möbel damit auch in der Zukunft zur Anschauung dienen für aussergewöhnlichste Erzeugnisse der Tischlerkunst des 18. Jahrhunderts, die Michael Rummer entscheidend und nachhaltig mitgeprägt hat.